I´m looking for interesting storys about chess and the history of the game. Please inform me in German or Englich. Please tell me about your sources of information.
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very beautiful text from Ibn Khaldun, file: „Schach – Ein indisches Spiel in Europa“
http://www.tina-sommer.de/board/viewtopic.php?p=11559&sid=5215988316ed73cd1eb86558b0481eb7
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Die Wege, auf denen das Schachspiel aus Indien nach Europa und in die Welt gelangt ist, sind vielfältig, seine heute international anerkannten Regeln hätte es aber nicht ohne den persischen, den arabischen und schließlich den katholischen Einfluss in Spanien erhalten.
Schach ist ursprünglich ein Kriegsspiel mit vier Parteien gewesen, zwei weiße und zwei schwarze Armeen, die in den vier Ecken des Feldes mit 8 Figuren ausgestattet waren. Je 4 Fußsoldaten, die in der vorderen Reihe standen, ein komplizierter indischer Streitwagen, die Reiterei, der Kriegselefant und der Heerführer. Die verbündeten Parteien standen sich jeweils Diagonal gegenüber. So spiegelte sich im indischen Tschaturanga, ein Name der auf die vier Teile der indischen Armee anspielte, die in Indien übliche Heeresordnung wieder. Auf seinem Jahrhunderte währenden Weg von seinem Ursprungsland über Persien und Arabien mit der durch das islamische Abbildungsverbot ausgelösten Tendenz zur Abstraktion verblasste jedoch der ursprüngliche Symbolwert der Figuren.
Nach Aussage des persischen Dichters Firdusi, gelangte das Spiel im 6. nachchristlichen Jahrhundert als Tschatrang nach Persien. Die Perser modifizierten das indische Spiel und machten aus dem Glücksspiel – die Bewegungen der Figuren wurden ursprünglich vom Würfelglück mitbestimmt – ein Denk- und Strategiespiel. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass das 11. Jahrhundert in Europa eine würfelnde Variante des Spiels kennt, was zu kirchlichen Disputen führt, ob das Schachspiel als Glücksspiel verboten oder als Denkspiel erlaubt sei (ähnliche Auseinandersetzungen sind auch für die anderen beiden monotheistischen Religionen und den Buddhismus nachgewiesen). Obwohl schon die Inder das Spiel auch zu zweit spielten, wenn sich keine vier Spieler fanden, machten erst die Perser das Viererspiel endgültig zu einem Zweierspiel. Sie deuteten den zweiten König in einen Berater um, den „Fersan“, den die Araber zum „Al-Fâris“ machten, zum Bannerträger des Königs. Dieser „Alférez“, so eine Bezeichnung, die im spanischen Heer noch bis ins 20. Jahrhundert nachwirkte, wurde bald zur „Alfereza“ und schließlich zur „Alferza“. Denn, so das Verständnis in den Reconquistakönigreichen Spaniens, neben den König gehört eine Königin. Im Schachzabelbuch ‚Libro del Açedrex’ der Übersetzerschule des kastilischen Königs Alfons X., genannt der Weise, reflektiert sich dieser Bedeutungswandel in der Bemerkung eines der Autoren, dass der gebräuchliche Begriff „Alfereza“ eigentlich falsch sei. Im Laufe der Zeit wurde die Königin im katholischen Spanien immer mehr mit der Heiligen Jungfrau identifiziert. Der Nimbus als Muttergottes machte sie dann zur mächtigsten Figur auf dem Brett, welche die Schrittfolge des Königs gehen konnte, sie war schließlich aus dem König entstanden, aber eben beliebig weit. Dies reflektiert sich erstmals in den Schachregeln des Luis de Lucena, eines converso dessen Vater ein Berater der RR.CC. war. Manche behaupten, die Dame sei daher nicht die Repräsentation der Muttergottes, sondern der Königin Isabella von Kastilien.
Vermutlich waren es auch die Perser, die den Ausruf „Schach“ bzw. „Schach matt“ erst ins Spiel brachten. „Schach matt“ bedeutet, dass der Schah, der König, besiegt ist.
Der Läufer entstand aus dem Elefanten des indischen Spiels. Da im Islam je nach Glaubensstrenge und –richtung ein Bilderverbot herrschte – beseelte Wesen dürfen nur von Gott erschaffen werden – wurde unter dem Islam der Elefant (arabisch al-Fîl) abstrahiert. Statt eines Elefanten mit Reiter und Kämpfer wurde nur noch der Sattel des Elefanten repräsentiert. Und da Elefanten in Europa zu dieser Zeit einfach unbekannt waren – sicher kannte man die Geschichte von Hannibal und Abbildungen von Elefanten, aber man kannte sie nicht aus eigener Anschauung und eben auch nicht das nötige Zaumzeug etc. – wurde der Elefantensattel umgedeutet. Die Briten identifizierten ihn als Bischofsmütze, die Franzosen als Narrenkappe. Daher bis heute die entsprechenden Bezeichnungen bishop und foue. In der Darstellung setzte sich die britische Bezeichnung durch. In Spanien nennt sich die Figur bis heute alfil.
Der Turm war, bis zum Aufstieg der Dame im christlichen Spanien, die mächtigste Figur auf dem Brett. Er bildete ursprünglich die indischen Streitwagen ab, die mit Bogenschützen auf turmartigen Aufbauten besetzt waren. Und mal ehrlich: ist es logisch, dass ein gemauerter Turm sich bewegt? Nicht wirklich, oder? Woher die arabische Bezeichnung (Rukhkh sprich [Ruch] mit gedehntem [ch]), aus welcher der spanische Begriff roque abgeleitet ist, stammt, liegt im Dunkeln. Die Rochade, auch als „Freudensprung des Königs“ bezeichnet, leitet sich von dem spanischen Begriff für Turm,roque, ab. Sie wurde aber erst im 16. Jahrhundert eingeführt. Seine heutige Gestalt erhielt der Turm nicht in Spanien, sondern in Italien, wo das arabische Rukhkh wegen der phonetischen Ähnlichkeit mit rocca, ‚Fels’, übersetzt wurde, aus dem der Turm wurde.
Der Springer behielt seine Funktion als Widerspiegelung der Reiterei.
Im ursprünglichen indischen Schachspiel, welches ja, wie oben erwähnt, die vier Flügel des Heeres wiedergibt sind nur wenige Standesunterschiede zu erkennen. Natürlich sind es die Bauern, die als erstes geopfert werden und den untersten Stand repräsentieren und das Spiel wird beendet mit der nicht mehr abzuwehrenden Bedrohung des Königs durch eine gegnerische Figur, er ist also die mächtigste Figur auf dem Spielfeld. Aber die Figuren, welche die anderen drei Flügel des Heeres repräsentieren bilden eben nur verschiedene Arten zu Kämpfen ab.
Im europäischen Mittelalter, welches das indische Schachspiel nicht mehr kennt und die Figuren wegen der islamischen Abstraktionen wie oben beschrieben umdeutet, ist die Hierarchie ausgeklügelter. In der Mitte der „gottgewollten Ordnung“ stehen König und Königin, denen jeweils ein Bischof zur Seite steht, die Nähe zum Paar in der Mitte ist ein Symbol auch für die Macht der Kirche. Springer und Türme repräsentieren im mittelalterlichen und neuzeitlichen Bewusstsein verschiedene Adelstypen. Der Turm kann u.U., je nach Gegend, auch als Repräsentation der freien Städte interpretiert werden, manchmal sind die gesellschaftlichen Interpretationen aber auch recht hilflos, wenn der Turm als die Eckbefestigung einer mittelalterlichen Burg, also als tatsächliches Bauwerk interpretiert wird. Er passt dann nicht mehr in die gesellschaftliche Ausdeutung des Schachspiels. Die Bauern, sind wieder diejenigen, die als erstes geopfert werden, diejenigen, über die man verfügt. Den gesellschaftlichen Stand der Figuren bekommen wir sowohl im 13. Jahrhundert im ‚Libro del Açedrex’ erklärt, als auch in den anderen Schachzabelbüchern, die danach über ganz Europa verteilt als Allegorien auf die Gesellschaft geschrieben werden.
Das die spanische Variante des Schachspiels sich gegenüber anderen nach Europa überlieferten Varianten durchgesetzt hat, kann man möglicherweise mit der Beliebtheit der Schachzabelbücher im ausgehenden Mittelalter erklären, aber auch mit dem Schachbuch des Luis de Lucena, der als erster die Schachregeln festschreibt und zwischen der alten Regel „del viejo“ und der neuen Regel „de la dama“ unterscheidet. Im Schachbuch Alfons des Weisen, hatten noch verschiedene Schachspiele Einzug gefunden, wie das alfonsinische Riesenschach mit 12 x 12 statt 8 x 8 Feldern, ein rundes Schachspiel und ein astronomisches Schachspiel, dessen Regeln bis heute niemand begriffen hat.
Nach den neuen Regeln nach Luis de Lucena durfte die Dame erstmals beliebig weit gehen, ebenso der Läufer, der bis dato nur jeweils zwei Schritte gehen durfte. Diese Regelveränderung machte auch die Erlaubnis des Doppelschritts beim ersten Zug des Bauern notwendig und zerstörte das Monopol des Turms als mächtigste Figur auf dem Brett.
Und noch etwas kurioses: 1944 erklärte der Papst die spanische Mystikerin Teresa von Ávila zur Schutzheiligen der Schachspieler. Die letzte – minimale – Regelveränderung wurde 1851 zu einem Turnier in London beschlossen.